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 English Version

Der Delta Anker von Lewmar

Der heimlicher Alleskönner

Teststatus

Start am 01.05.2007 - Testende 01.05.2012

Produktname und Preis:

Delta Anker von Lewmar mit 27kg für ca. 520,-- €

Hersteller:


www.lewmar.de

Einsatzbereich:

Hauptanker für Katamaran Privilege 37 mit ca. 9t Gewicht

Kaufmotivation

Aufgrund der negativen Erfahrungen mit unserem WASI Bügelanker habe ich mich umfassend mit den Thema Anker beschäftigt. Dazu gehörte auch die Auswertung aller verfügbaren Tests aus Fachzeitschriften sowie die Befragung vieler anderer Segler.

Die Befragung der Eigner eines Delta ergab durchgehend positive Rückmeldungen. Die Bezitzer waren durchgehend sehr zufrieden, viele gaben auch an erst nach schlechten Erfahrungen mit anderen Ankern, meist war es der CQR zum Delta gewechselt zu haben. Nun das war ein Hinweis aber schließlich hat auch der Bügelanker viele Fans und sogar solche die damit schon gestrandet sind.

In den Test der Fachzeitschriften hatte der Delta in allen mir zugänglichen Tests jeweils relativ gut abgeschnitten. Er war nie Testsieger, auch nie Sieger in einer einzelnen Disziplin, landete aber immer unter den besten im ersten Drittel. Im Gegensatz zu vielen Ankern mit Spitzenwerten leistete er sich jedoch keine Ausfälle oder Versager sondern erzielte immer und auf allen Untergründen gute Werte.

Nun genau das war es was ich von einem Hauptanker erwartete, einen zuverlässigen Allrounder für den täglichen Einsatz. Schließlich kann ich nicht jedes mal vor dem Ankern tauchen, eine Bodenanalyse durchführen und anschließend das für diesen Grund geeignete Spezialmodell aus dem Regal holen.

Beschreibung Funktionsweise

Der Deltanker hat keine beweglichen Teile die versagen könnten. Die starke Spitze dringt leicht und tief ein und kommt auch mit felsigen oder harten Untergründen gut zurecht.

Das klassische Keildesign sorgt dafür, das sich der Widerstand kontinuierlich erhöht je tiefer der Anker ins Erdreich eindringt.

Muss sich der Delta nach einem Wind- oder Strömungswechsel neu eingraben, dann werden durch dieses Design alle Anhaftungen von Schlick oder ähnlichem abgestreift und können so ein Wiedereingraben nicht verhindern.

Umweltaspekte:

Die breite Einsetzbarkeit und hochwertige Materialauswahl sorgen für eine praktisch unbegrenzte Lebensdauer. Das Produkt kam unverpackt zu uns.

Die billigen Kunststoffaufkleber konnten nicht abgelöst werden. Nach einigen Ankermanövern waren diese jedoch abgeschabt und verschmutzten damit direkt das Meer.

Was viele noch nicht wissen ist, das Plastik das Meer in weit höherem Maße gefährdet als man bisher annahm. Das Problem entsteht durch Abrieb, es entstehen immer kleinere Teile die so in den Nahrungskreislauf gelangen oder durch Zersetzung die enthaltenen Schadstoffe, hier vor allem Weichmacher freigeben.

Bedienungsanleitung:

Wurde keine mitgeliefert, was etwas verwundert, da der Hersteller eines Ankers doch wohl einiges zu sagen hätte.

Es müssten doch mindestens Erfahrungswerte zur Kette und Tiefenralation und zur erwartenden Haltekraft angegeben werden. Auch auf der Internetseite von Lewmar waren für den Autor zum Zeitpunkt der Testerstellung keine Daten zu finden.

Installation

Unser Delta Anker ist direkt an eine Edelstahlkette montiert. Materialschäden am Anker aufgrund von Material Unverträglichkeiten konnten wir bisher nicht feststellen.

Ein großes Problem stellte zunächst die Verbindung unserer 8 mm Kette von Wälder mit 6 t Haltekraft dar. Es war kein Verbinder am Markt erhältlich der mehr als 4 t Bruchlast erzielte. Der Markt hierfür war ja begrenzt da fast alle Stahl oder Edelstahlketten nur zwischen 2,8 t und 3,3 t Bruchlast garantieren.

Nach einigem Nachdenken habe ich schließlich eine äußerst effiziente und preiswerte Methode gefunden. Ich führte die Kette einfach direkt durch den Schaft und sicherte die so entstandene Schlinge mit Edelstahlschrauben.

Eine Kombination die die volle Haltekraft garantiert und mit weniger als zwei Euro zu Buche schlägt. Es zeigte sich auch, das man vor einer durch das ständige Schwojen verdrehten Kette keine Angst haben muss. Auch nach drei Wochen am gleichen Platz mit ständigen Wind und Tidenwechseln war die Kette so gut wie nicht verdreht.

Design:

Der Anker kommt mit einem billigen Aufkleber. Bereits nach dem ersten Ankermanöver ist dieser dann zerkratzt und lässt das teure Stück dann bis man die Aufkleber entfernt hat wirklich schäbig wirken.

Eigentlich Dumm, ist ein Anker mit Schriftzug doch ein hervorragender Werbeträger sobald das Schiff am Steg liegt.

Auch nach vier Jahren zeigt sich noch keine Korrosion bzw. kein Rost so das der original Delta auch am Steg eine gute Figur macht.

Praxiserfahrungen aus dem laufenden Einsatz:

Der Delta Anker brachte mir den Schlaf zurück. Nach unzähligen Pannen mit dem Bügelanker den wir die ersten Jahre gefahren hatten, war ich innerlich so verängstigt das ich vor Anker die Augen nicht mehr zumachen konnte. Jede noch so kleine Bewegung am Ankergeschirr riss mich automatisch aus dem Schlaf. In stürmischen oder windreichen Nächten war an Schlaf überhaupt nicht mehr zu denken.

Die hohe Zuverlässigkeit des Delta korrigierte dies innerhalb einer überschaubaren Zeit. Später gab es dann auch Tage wo ich am Morgen verwundert war die Nacht durchgeschlafen zu haben bzw. wo es eigentlich angebracht gewesen wäre etwas weniger tief geschlafen zu haben.

Nach all unseren Erfahrungen mit den Schwächen von Ankern entstehen die größten Risiken insgesamt bei Wind- und Strömungswechseln. Immer wenn der Anker ausgebrochen wird und sich alleine wieder eingraben muss.

Wie die bei all unseren Testberichten gezeigten Bilder belegen, fängt jeder Anker früher oder später einen Gegenstand der seine Funktion oder Haltekraft blockiert oder wesentlich beinträchtigt. Folgend einige klassiche Beispiele.



Gegenüber Seegrass, Lehm oder Mud war der Delta unempfindlich. Auch mit dem Korallstein hat er noch sicher gehalten. Erst als als wir ein wirklich großes Stück starer Kunststoffolie erwischten, begann wir beim Einfahren dauerhaft zu slippen.

"Die Zuverlässigkeit eines Ankers bemisst sich also in erster Linie durch die Häufigkeit mit der er durch äußere Umstände blockiert wird".
Die maximale Haltekraft eines Ankers ist ein Wert der in der Praxis praktisch keine wesentliche Rolle spielt. Denn wer ankert wie oft im Hurrican und liegt dabei nur vor einem einzigen Anker? Die Haltekraft ist also der Faktor der sich am leichtestens erweitern lässt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Zuverlässigkeit im Rahmen der täglichen Manöver. Wie oft muss man diese wiederholen und wie oft versagt der Anker hierbei generell und will nicht halten.

Berücksichtig man die folgenden Empfehlungen dann ist der Delta ein treuer und komfortabler Begleiter.

Geschwindigkeit
Fährt man zu während des Manövers rückwärts dann hat gerade der Delta Probleme in den Grund zu gehen, er regelrecht über den Boden springen.

Winkel
Der Delta braucht einen flachen Anstellwinkel um sich wirksam einzugraben. Erst ab dem Faktor 5 und mehr, macht es Sinn mit dem Einfahren zu beginnen.
Seine Haltekräfte entfaltet er erst bei einem Ketten/Tiefe Verhältnis von 7 und mehr voll. Wichtig ist es dabei die Bordwandhöhe über Wasser in die Berechnung einzubeziehen.

Kettenlänge
Bei einer Wassertiefe von 5 Metern und einer Bordwandhöhe von einem Meter braucht es also schon 42 m Kette um sicher zu Ankern. Jeder zusätzlicher Meter Kette erhöht die Sicherheit.


Vor allem bei glatten und harten Untergründen entscheidet ein möglichst flacher Winkel über die Haltekraft und ein Faktor 10 + ist hier mehr als sinnvoll anzuwenden.

Einfahren
Zögert nicht den Anker mit langsam ansteigenden Zug so stark wie möglich einzufahren. Wir nutzen dazu immer beide Maschinen im Bereich des höchsten Drehmoments. Immer wieder können wir beobachten das Yachten den Anker nur sehr halbherzig einfahren, wohl aus Angst er könnte ausbrechen und Sie müssten das Manöver wiederholen. Aber was nützt ein Anker der nicht hält.

Welche Eigenschaften sind hervorzuheben bzw. besonders gut gelöst:

  • Der Deltaanker ist sehr korrosionsbeständig
  • Er verfügt über keine beweglichen Teile oder eine Mechanik die versagen könnte
  • Es können sich fast keine Anhaftungen halten die z.B. ein Wiedereingraben verhindern
  • Der Anker ist sehr robust auch durch härteste Belastung ergaben sich bisher keine Schäden oder Verformungen (den Schaft des Wasi-Bügelankers sowie eine Fluke des Fortressankers hatten wir beim täglichen Ankern bereits nach relativ kurzer Zeit verbogen)
  • Der Delta ist flexibel und zuverlässig auf fast allen Gründen

    Außer in absolut weichen Schlamm gab es keinen Grund auf dem wir nicht mit dem Delta ankern konnten. Während des gesamten Testzeitraumes kam dies nur ein einziges Mal vor.

    Welche Eigenschaften fehlen oder sind verbesserungswürdig:

    Trotz der vielen positiven Erfahrungen mit dem Delta Anker erblieb es uns nicht erspart auch seine Grenzen kennenzulernen.

    Wir hatten Weihnachten 2010 unser Schiff kurzzeitig verloren und nur durch eine mehr als glückliche Fügung wieder erhalten.

    In der Admirality Bay auf Bequia (Karibik) dem Ort unseres Unglückes besteht der Grund aus einer fast durchgehend großen Felsplatte mit Sandanhäufungen. Während wir an Land in weihnachtlicher Stimmung im Restaurant saßen hat der Delta den Halt verloren und konnte sich auf einer Driftstrecke von ca. 400m bis möglichen 800m nicht wieder eingraben.

    Ich grüble heute noch über die Ursache nach. Es traten an diesem Abend zwar Böjen auf, aber wir hatten schon zwei Nächte am Ankerplatz mit bis zu 28 Knoten Wind ohne jedes Problem verbracht. Ob eine Böje oder wie durchaus plausibel angenommen werden könnte ein driftentes Nachbarschiff das seinen Anker über unsere Kette zog den Delta löste kann nicht mehr festgestellt werden.
    Über die Tage konnten wir zig Schiffe beobachen die Mühe hatten zu Ankern oder drifteten. Dazu kamen häufig Windrichtungsänderungen. Es kann also durchaus sein daß jemand guten Glaubens paralell zu uns ankerte und dennoch unsere Kette unter Zug setzte. Der lange Driftweg wiederum belegt den Einfluß einer starken Strömung denn entsprechend der Windrichtung hätte unser Schiff direkt auf die Küste gedrückt werden müssen. So fuhr die Mupfel mit der Strömung in einer kleinen Kurve zwischen 90 und 60 Grad zum Wind aus der Bucht.
    Aber letztlich spielt der Verursacher keine Rolle, der Vorfall zeigt klar das es keinen absolut sicheren Anker bzw. kein absolut sicheres Ankermanöver geben kann. Es gehört auch immer eine Portion Glück mit dazu.

    Mit ca. 45m Kette bei 7 m Tiefe waren wir nicht unvorsichtig, mehr Kette konnten wir beim Manöver aus Platzgründen nicht legen. Mein Fehler war es nicht am nächsten Tag als es möglich war sofort mehr Kette zu stecken.

    Der Delta wurde in dem Moment als der Anker den Halt verlor an seiner schwächsten Stelle gefordert. Aufgrund seiner Bauweise hat der Delta wie viele andere Anker auch eher Probleme auf glatten harten Gründen. Er konnte auf der glatten und felsigen Oberfläche nicht sofort wieder fassen. Getrieben durch die starke Strömung und den Wind nahm das Schiff zuviel Fahrt auf und der Deltanker wurde über den Boden geschleift ohne wieder fassen zu können. Wie wir beobachten konnten holpert der Anker dabei regelrecht und springt dabei über Unebenheiten bzw. möglichen Haltepunkten teils regelrecht hinweg. Auch im Sand bleibt im dabei zuwenig Zeit sich in die Tiefe zu graben die dauerhaft gespannte Kette verschlechtert den Winkel zusätzlich und so zieht er nur ein Furche. Ein entsprechend massives Hinderniss wie eine Spalte, eine Kante oder ein Felsen war auf der Driftstrecke anscheinend nicht vorhanden.

    In der Praxis zeigt sich dieses Phänomen wenn man versucht den Anker mit zu hoher Geschwindigkeit einzufahren. Beim Ankern kann man dies vermeiden aber in unserem Fall wo der Anker ausgebrochen wurde, nahm unser Katamaran getrieben von Wind und Strömung Fahrt auf und aufgrund der zu hohen Driftgeschwindigkeit konnte der Delta nicht mehr fassen. Er wurde je nach möglichem Weg zwischen 400 m und 800 m über den Ankergrund der Admirality Bay gezogen. (Das Bild rechts zeigt die mögliche Driftstrecke)

    Der sehr erfahrene Kapitän der Luxusyacht "Another Toy" entdeckte unser Schiff auf seinem Radar und konnte sich keinen rechten Reim auf das bereits 10 sm von der Küste entfernte Objekt, das nur mit 3 Knoten Fahrt unterwegs war machen.

    Er sandte zwei Crewmitglieder mit dem 1200 PS Beiboot los um das Objekt zu untersuchen. Die Crew nahm unsere herrenlos treibende Mupfel an den Haken und brachte sie unbeschädigt in die Admirality Bay zurück.

    Das schönste und größte Weihnachtsgeschenk das wir je erhalten haben. Zusätzlich verzichtete der Kapitän auf Bergegebühren ja nicht einmal ein Trinkgeld wollte die Crew annehmen. Auch an dieser Stelle nochmals einen ganz herzlichen Dank an Kapitän und Crew. Zwei Kats ähnlicher Größenordnung hatten diese Karibiksaison weniger Glück und wurden beide nicht wieder aufgefunden.

    Meine persönliche Nautictestwertung:


    Der Delta zählt nicht ohne Grund zu den Klassikern unter den Ankern und obwohl Lewmar praktisch keine Werbung oder Pressearbeit für diesen betreibt, behauptet er sich seit vielen Jahren am Markt. Die Ursache hierfür liegt sicherlich in der hohen Zahl zufriedener Anwender und deren Empfehlungen.

    Über drei Jahre haben wir diesen Anker auf Herz und Nieren geprüft und gefordert. An hunderten Ankerplätzen haben wir den Delta Anker in feinstem Sand an steinigen Felsküsten, in Korallen, weichem Mud und tiefen Seegras getestet.

    Dabei musste er mehrfache tägliche Windwechsel, hohen Schwell und die Belastungswechsel in Gezeitenrevieren mit starker Strömung meistern.

    Wie oben beschrieben ist der Delta kein perfekter oder unfehlbarer Anker. Die größte Gefährdung entsteht paradoxerweise durch seine hohe Zuverlässigkeit. Gerade diese hohe Zuverlässigkeit kann den Skipper langfristig dazu verleiten sich in Sicherheit zu wiegen. So wird er leicht verführt immer höhere Risiken einzugehen und das Schiff unbemannt oder ohne Zweitanker schwojend vor der Küste zu belassen.

    Für uns ist der Deltaanker vorerst die erste Wahl und hat sich seine hohe Wertung durch seine Praxistauglichkeit verdient. Nochmals sei darauf hingewiesen daß auch der beste Anker mangelnde Seemanschaft nicht ersetzen kann.




    Zeitliche Verfolgung:

    Sollten Probleme oder wichtige Vorkommnisse auftreten so werden wir diese hier dokumentieren. Das Produkt wird für mindestens 36 Monate überwacht, die Testlänge ist angelehnt an den für eine "normale" Weltumsegelung benötigten Zeitraum.

    Autor: Paul Skipper Katamaran Mupfel Ort: Grenada Datum: 01.09.2011
     
    Datum:  01.09.2011 Diese Seite weiterempfehlen
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